relipuls · Lehrer:innenblatt

Wenn Plattformen Religion in Ja/Nein pressen

Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien

LeitfrageWie können wir beurteilen, was verloren geht, wenn Plattformen Religion in Ja/Nein-Kategorien pressen?

Beitragsbild
Fach Religion
Zielgruppe Klasse 8
Dauer 45 Min.
8./9. Klasse im Hamburger RUfa an Stadtteilschule oder Gymnasium. Keine Vorkenntnisse zu Datenschutzrecht nötig; hilfreich ist, dass die Lernenden kurze Aussagen ordnen und mit Satzrahmen begründet formulieren können.

Tagesziel

Wir können heute an digitalen Sortiermustern und Texten zeigen, was binäre Plattformlogiken über Religion sichtbar machen, was sie ausblenden und wo digitale Glaubensbewertung begrenzt werden sollte.

Lernprodukte

  • Beobachtungen zur Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit durch das Ja/Nein-Schema
  • Ausgefüllte Vergleichstabelle
  • Zwei vollständige Deutungssätze
  • Ein begründeter Urteilssatz (mind. ein Befund aus M2 + ein Gedanke aus den Deutungssätzen)

Vorbereitung

  • Materialien M1, M2, M3, M4 kopieren oder digital bereitstellen
  • Tafel- oder Folienimpuls mit Leitfrage vorbereiten
  • ggf. Gruppen- oder Partnerbildung vorstrukturieren

Stundenbogen

  1. 1Einstieg
  2. 2Erarbeitung I
  3. 3Vertiefung
  4. 4Sicherung und Transfer

Didaktische Hinweise

Das bedenkt die Lehrkraft zuerst

Didaktische Intention

Die Stunde trägt vor allem die Bewegung vom Alltagsmuster zur begründeten Unterscheidung. Die Lernenden sollen merken: Digitale Sichtbarkeit ist nicht automatisch dasselbe wie Verstehen – und Schutzlogiken können Freiheit und Selbstbestimmung sichern.

Kompetenzerwartungen

beschreiben, welche Informationen eine binäre digitale Oberfläche sichtbar macht und welche sie ausblendet.
vergleichen, wie die Quellen digitale Vereinfachung, öffentliche Rahmung und Schutz vor Zuordnung akzentuieren.
deuten, wie Matthäus 22,21 eine Unterscheidung zwischen öffentlicher Ordnung und Gottesbezug markiert.
beurteilen, wo digitale Glaubensbewertung begrenzt werden sollte, und ihr Urteil mit Materialbefunden begründen.

Lehrkraft-Spickzettel

  • Binäres Sortiermuster beobachten (8 Min.) · M1 Lehrkraft: Kurz einordnen, dass es um ein allgemeines digitales Muster geht – nicht um persönliche Angaben.
  • Öffentliche Rahmung und Schutzlogik vergleichen (12 Min.) · M2 Lehrkraft: Begriffe wie Zuordnung, Selbstbestimmung und Öffentlichkeit sprachlich sichern; strikt bei den vorgegebenen Aussagen bleiben.
  • Eine biblische Unterscheidung genauer lesen (10 Min.) · M3 Lehrkraft: Wortlaut knapp klären, mögliche Deutungen eröffnen, keine „richtige“ Position vorgeben.
  • Begründetes Urteil formulieren (12 Min.) · M2, M3 Lehrkraft: Diskussion so moderieren, dass Unterschiede stehen bleiben dürfen; keine persönliche Bekenntnislage wird abgefragt.

Differenzierung: Unterstützung

  • Unterstützung: Satzstarter, z. B. „Sichtbar wird …“, „Unsichtbar bleibt …“, „Geschützt werden soll …“, „Ich setze die Grenze dort, wo …“.
  • Erweiterung: Zusatzfrage: „Ist es ein Unterschied, ob jemand eine religiöse Zugehörigkeit selbst öffentlich macht oder ob eine Plattform sie aus Daten ableitet?“ → ggf. zweiter Urteilssatz.

Differenzierung: Erweiterung

    Unterrichtsverlauf

    Tabellarischer Ablauf

    Phase Zeit Verlauf / Lehrkraft Sozialform Material
    Einstieg 8 Min. Die Lernenden erhalten eine schematische Beschreibung einer fiktiven digitalen Oberfläche (z. B. „Glaubensfrage trifft zu / trifft nicht zu“, „Interesse hoch/niedrig“) und notieren je zwei Beobachtungen zu „wird sichtbar“ und „bleibt unsichtbar“. Lehrkraft: Kurz einordnen, dass es um ein allgemeines digitales Muster geht – nicht um persönliche Angaben. Ergebnis: Beobachtungen zur Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit durch das Ja/Nein-Schema Einzelarbeit M1
    Erarbeitung I 12 Min. Die Lernenden arbeiten mit kurzen Aussagen aus den beiden UZH-Beiträgen und ordnen sie in drei Felder ein: „Was wird vereinfacht?“, „Was soll geschützt werden?“, „Welche Frage bleibt offen?“. Lehrkraft: Begriffe wie Zuordnung, Selbstbestimmung und Öffentlichkeit sprachlich sichern; strikt bei den vorgegebenen Aussagen bleiben. Ergebnis: Ausgefüllte Vergleichstabelle mit drei kurzen Sätzen Partnerarbeit M2
    Vertiefung 10 Min. Die Lernenden lesen den Wortlaut von Matthäus 22,21 und vervollständigen zwei Satzrahmen: „Der Vers unterscheidet zwischen … und …“ sowie „Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil …“. Lehrkraft: Wortlaut knapp klären, mögliche Deutungen eröffnen, keine „richtige“ Position vorgeben. Ergebnis: Zwei vollständige Deutungssätze Einzelarbeit M3
    Sicherung und Transfer 12 Min. Die Lernenden bearbeiten die Aussage „Wenn eine Plattform Religion bewertet, sollte das immer erlaubt sein“ in einem kurzen Urteilssatz. Lehrkraft: Diskussion so moderieren, dass Unterschiede stehen bleiben dürfen; keine persönliche Bekenntnislage wird abgefragt. Ergebnis: Ein begründeter Urteilssatz (mind. ein Befund aus M2 + ein Gedanke aus den Deutungssätzen) Einzelarbeit | Plenum M2, M3

    Materialien

    Handouts und Arbeitsblätter

    Material M1

    Binäres Sortiermuster beobachten

    Methode: Satzstarter und Unterstützungsraster (Differenzierung)

    Methodenbeispiel
    Beispielillustration zur Methode

    M1 – Beobachtungskarte (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
    Einzelarbeit – 8 Minuten

    Konkrete Beispielsituation:
    Stell dir vor, du öffnest eine App namens „CommunityMatch“. Dort wird zu deiner Mitschülerin Lena folgendes angezeigt:
    - Glaubensfrage: trifft zu / trifft nicht zu
    - Interesse an Religion: hoch / niedrig
    - Öffentliche Sichtbarkeit: Ja / Nein

    Aufgabe
    Schau dir diese binäre Oberfläche an und notiere je zwei eigene Beobachtungen.

    Was wird sichtbar? (durch das Ja/Nein-Schema)Was bleibt unsichtbar? (was geht verloren?)

    Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
    - Sichtbar wird, ob Lena einer Religion zugeordnet wird …
    - Sichtbar wird, wie hoch oder niedrig ihr Interesse eingestuft ist …
    - Unsichtbar bleibt, warum Lena so glaubt oder zweifelt …
    - Unsichtbar bleibt, wie stark oder schwach ihre Überzeugung wirklich ist …
    - Verloren geht dabei …

    Material M2

    Öffentliche Rahmung und Schutzlogik vergleichen

    Methode: Vergleichsmatrix

    Methodenbeispiel
    Beispielillustration zur Methode

    M2 – Vergleichstabelle (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
    Partnerarbeit – 12 Minuten

    Arbeite mit den folgenden kurzen Textauszügen aus den beiden UZH-Beiträgen.

    Kurze Auszüge:
    A: Komplexe theologische Fragen werden auf ein einfaches Ja-Nein-Schema reduziert. (aus dem Beitrag zu digitaler Glaubensbewertung)
    B: Datenschutz soll die informationelle Selbstbestimmung schützen und ungewollte Zuordnung verhindern. (aus dem Beitrag zu digitaler Glaubensbewertung)
    C: Religion im öffentlichen Raum braucht mehrere Perspektiven (Medien-, Rechts- und Religionswissenschaft), sonst bleibt vieles unverstanden. (aus dem Erfahrungsbericht zur Interdisziplinarität)

    Aufgabe
    Ordne jede Aussage einem der drei Felder zu und schreibe je einen vollständigen Satz.

    FeldZuordnung (Buchstabe)Dein Satz
    Was wird vereinfacht?
    Was soll geschützt werden?
    Welche Frage bleibt offen?

    Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
    - Vereinfacht wird die komplexe religiöse Überzeugung auf …
    - Geschützt werden soll die informationelle Selbstbestimmung vor …
    - Offen bleibt die Frage, wie …
    - Geschützt werden soll vor ungewollter Zuordnung, weil …

    Material M3

    Eine biblische Unterscheidung genauer lesen

    Methode: Satzstarter und Unterstützungsraster (Differenzierung)

    Methodenbeispiel
    Beispielillustration zur Methode

    M3 – Biblische Unterscheidung (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
    Einzelarbeit – 10 Minuten

    Matthäus 22,21
    „Da sprachen sie: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“

    Aufgabe
    Lies den Vers und vervollständige die beiden Satzrahmen. Verwende den Vers und deine eigenen Worte.

    1. Der Vers unterscheidet zwischen … und …
    2. Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil …

    Hilfe (Unterstützung – ausführlicher)
    - Der Vers trennt zwei Bereiche klar voneinander: den öffentlichen Bereich (Kaiser/staatliche Ordnung) und den inneren Bereich (Gott/persönlicher Glaube).
    - Überlege, was das für öffentliche Zuordnungen durch Apps und innere religiöse Überzeugungen bedeuten könnte.
    - Der Vers sagt nicht, dass der eine Bereich unwichtig ist – er sagt nur, dass sie unterschieden werden sollten.

    Satzstarter zur Hilfe
    - Der Vers unterscheidet zwischen dem öffentlichen Bereich (wie …) und dem inneren Gottesbezug (wie …).
    - Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil …
    - Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil eine Plattform nur den äußeren Teil sehen kann, nicht aber …

    Material M4

    Begründetes Urteil formulieren

    Methode: Urteil formulieren

    Methodenbeispiel
    Beispielillustration zur Methode

    M4 – Begründetes Urteil (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
    Einzelarbeit + Plenum – 12 Minuten

    Ausgangsaussage
    „Wenn eine Plattform Religion bewertet, sollte das immer erlaubt sein.“

    Aufgabe
    Schreibe einen kurzen begründeten Urteilssatz. Verwende mindestens einen Befund aus M2 und einen Gedanken aus deinen Deutungssätzen in M3.

    Beispiel für einen Urteilssatz (nur zur Orientierung, nicht abschreiben):
    „Ich halte das nicht für immer erlaubt, weil … (Befund aus M2) und weil der Vers in M3 zeigt, dass …“

    Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
    - Ich halte das nicht für immer erlaubt, weil … (aus M2) und weil der Vers zeigt, dass … (aus M3).
    - Ich setze die Grenze dort, wo …
    - Eine Plattform sollte das nur dürfen, wenn …
    - Das sollte nicht immer erlaubt sein, da …

    Zusatzfrage für Erweiterung
    Ist es ein Unterschied, ob jemand seine religiöse Zugehörigkeit selbst öffentlich macht oder ob eine Plattform sie aus Daten ableitet? (ggf. zweiter Urteilssatz)