Tagesziel
Wir können heute an digitalen Sortiermustern und Texten zeigen, was binäre Plattformlogiken über Religion sichtbar machen, was sie ausblenden und wo digitale Glaubensbewertung begrenzt werden sollte.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie können wir beurteilen, was verloren geht, wenn Plattformen Religion in Ja/Nein-Kategorien pressen?
Wir können heute an digitalen Sortiermustern und Texten zeigen, was binäre Plattformlogiken über Religion sichtbar machen, was sie ausblenden und wo digitale Glaubensbewertung begrenzt werden sollte.
Didaktische Hinweise
Die Stunde trägt vor allem die Bewegung vom Alltagsmuster zur begründeten Unterscheidung. Die Lernenden sollen merken: Digitale Sichtbarkeit ist nicht automatisch dasselbe wie Verstehen – und Schutzlogiken können Freiheit und Selbstbestimmung sichern.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | Material |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 8 Min. | Die Lernenden erhalten eine schematische Beschreibung einer fiktiven digitalen Oberfläche (z. B. „Glaubensfrage trifft zu / trifft nicht zu“, „Interesse hoch/niedrig“) und notieren je zwei Beobachtungen zu „wird sichtbar“ und „bleibt unsichtbar“. Lehrkraft: Kurz einordnen, dass es um ein allgemeines digitales Muster geht – nicht um persönliche Angaben. Ergebnis: Beobachtungen zur Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit durch das Ja/Nein-Schema | Einzelarbeit | M1 |
| Erarbeitung I | 12 Min. | Die Lernenden arbeiten mit kurzen Aussagen aus den beiden UZH-Beiträgen und ordnen sie in drei Felder ein: „Was wird vereinfacht?“, „Was soll geschützt werden?“, „Welche Frage bleibt offen?“. Lehrkraft: Begriffe wie Zuordnung, Selbstbestimmung und Öffentlichkeit sprachlich sichern; strikt bei den vorgegebenen Aussagen bleiben. Ergebnis: Ausgefüllte Vergleichstabelle mit drei kurzen Sätzen | Partnerarbeit | M2 |
| Vertiefung | 10 Min. | Die Lernenden lesen den Wortlaut von Matthäus 22,21 und vervollständigen zwei Satzrahmen: „Der Vers unterscheidet zwischen … und …“ sowie „Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil …“. Lehrkraft: Wortlaut knapp klären, mögliche Deutungen eröffnen, keine „richtige“ Position vorgeben. Ergebnis: Zwei vollständige Deutungssätze | Einzelarbeit | M3 |
| Sicherung und Transfer | 12 Min. | Die Lernenden bearbeiten die Aussage „Wenn eine Plattform Religion bewertet, sollte das immer erlaubt sein“ in einem kurzen Urteilssatz. Lehrkraft: Diskussion so moderieren, dass Unterschiede stehen bleiben dürfen; keine persönliche Bekenntnislage wird abgefragt. Ergebnis: Ein begründeter Urteilssatz (mind. ein Befund aus M2 + ein Gedanke aus den Deutungssätzen) | Einzelarbeit | Plenum | M2, M3 |
Materialien
Material M1
Methode: Satzstarter und Unterstützungsraster (Differenzierung)

M1 – Beobachtungskarte (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
Einzelarbeit – 8 Minuten
Konkrete Beispielsituation:
Stell dir vor, du öffnest eine App namens „CommunityMatch“. Dort wird zu deiner Mitschülerin Lena folgendes angezeigt:
- Glaubensfrage: trifft zu / trifft nicht zu
- Interesse an Religion: hoch / niedrig
- Öffentliche Sichtbarkeit: Ja / Nein
Aufgabe
Schau dir diese binäre Oberfläche an und notiere je zwei eigene Beobachtungen.
| Was wird sichtbar? (durch das Ja/Nein-Schema) | Was bleibt unsichtbar? (was geht verloren?) |
|---|---|
Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
- Sichtbar wird, ob Lena einer Religion zugeordnet wird …
- Sichtbar wird, wie hoch oder niedrig ihr Interesse eingestuft ist …
- Unsichtbar bleibt, warum Lena so glaubt oder zweifelt …
- Unsichtbar bleibt, wie stark oder schwach ihre Überzeugung wirklich ist …
- Verloren geht dabei …
Material M2
Methode: Vergleichsmatrix

M2 – Vergleichstabelle (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
Partnerarbeit – 12 Minuten
Arbeite mit den folgenden kurzen Textauszügen aus den beiden UZH-Beiträgen.
Kurze Auszüge:
A: Komplexe theologische Fragen werden auf ein einfaches Ja-Nein-Schema reduziert. (aus dem Beitrag zu digitaler Glaubensbewertung)
B: Datenschutz soll die informationelle Selbstbestimmung schützen und ungewollte Zuordnung verhindern. (aus dem Beitrag zu digitaler Glaubensbewertung)
C: Religion im öffentlichen Raum braucht mehrere Perspektiven (Medien-, Rechts- und Religionswissenschaft), sonst bleibt vieles unverstanden. (aus dem Erfahrungsbericht zur Interdisziplinarität)
Aufgabe
Ordne jede Aussage einem der drei Felder zu und schreibe je einen vollständigen Satz.
| Feld | Zuordnung (Buchstabe) | Dein Satz |
|---|---|---|
| Was wird vereinfacht? | ||
| Was soll geschützt werden? | ||
| Welche Frage bleibt offen? |
Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
- Vereinfacht wird die komplexe religiöse Überzeugung auf …
- Geschützt werden soll die informationelle Selbstbestimmung vor …
- Offen bleibt die Frage, wie …
- Geschützt werden soll vor ungewollter Zuordnung, weil …
Material M3
Methode: Satzstarter und Unterstützungsraster (Differenzierung)

M3 – Biblische Unterscheidung (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
Einzelarbeit – 10 Minuten
Matthäus 22,21
„Da sprachen sie: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“
Aufgabe
Lies den Vers und vervollständige die beiden Satzrahmen. Verwende den Vers und deine eigenen Worte.
Hilfe (Unterstützung – ausführlicher)
- Der Vers trennt zwei Bereiche klar voneinander: den öffentlichen Bereich (Kaiser/staatliche Ordnung) und den inneren Bereich (Gott/persönlicher Glaube).
- Überlege, was das für öffentliche Zuordnungen durch Apps und innere religiöse Überzeugungen bedeuten könnte.
- Der Vers sagt nicht, dass der eine Bereich unwichtig ist – er sagt nur, dass sie unterschieden werden sollten.
Satzstarter zur Hilfe
- Der Vers unterscheidet zwischen dem öffentlichen Bereich (wie …) und dem inneren Gottesbezug (wie …).
- Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil …
- Für digitale Glaubensbewertung ist das wichtig, weil eine Plattform nur den äußeren Teil sehen kann, nicht aber …
Material M4
Methode: Urteil formulieren

M4 – Begründetes Urteil (Klasse 8/9, Hamburger RUfa)
Einzelarbeit + Plenum – 12 Minuten
Ausgangsaussage
„Wenn eine Plattform Religion bewertet, sollte das immer erlaubt sein.“
Aufgabe
Schreibe einen kurzen begründeten Urteilssatz. Verwende mindestens einen Befund aus M2 und einen Gedanken aus deinen Deutungssätzen in M3.
Beispiel für einen Urteilssatz (nur zur Orientierung, nicht abschreiben):
„Ich halte das nicht für immer erlaubt, weil … (Befund aus M2) und weil der Vers in M3 zeigt, dass …“
Satzstarter zur Hilfe (Unterstützung)
- Ich halte das nicht für immer erlaubt, weil … (aus M2) und weil der Vers zeigt, dass … (aus M3).
- Ich setze die Grenze dort, wo …
- Eine Plattform sollte das nur dürfen, wenn …
- Das sollte nicht immer erlaubt sein, da …
Zusatzfrage für Erweiterung
Ist es ein Unterschied, ob jemand seine religiöse Zugehörigkeit selbst öffentlich macht oder ob eine Plattform sie aus Daten ableitet? (ggf. zweiter Urteilssatz)
Quellen