relipuls · Lehrer:innenblatt

Deepfakes und Würde: Grenzen zwischen Satire, Manipulation und Entwürdigung begründen

Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien

LeitfrageDie große Herausforderung ist, dass Deepfakes oft gleichzeitig witzig, täuschend echt und verletzend wirken können und wir deshalb genau unterscheiden müssen, wo Würde verletzt wird.

Beitragsbild
Fach Religion / Ethik
Zielgruppe Klasse 8
Dauer 45 Min.
Sek I (Klasse 6–9) an Hamburger Stadtteilschule oder Gymnasium. Voraussetzung: Die Lerngruppe kann kurze Texte und einfache Medienimpulse deuten. Sensible Vorerfahrungen mit digitaler Bloßstellung werden nicht abgefragt.

Tagesziel

Wir können heute erklären, woran man erkennt, ob ein Deepfake noch Satire ist oder schon manipulativ und entwürdigend, und dazu ein begründetes Urteil formulieren.

Lernprodukte

  • erste Positionen auf einer Skala (Heft/Folie)
  • ausgefülle Vergleichstabelle (pro Perspektive je ein Satz „Was stört hier?“)
  • kurzer Deutungssatz (Kartenstreifen)
  • ausgefülle Urteilskarte pro Gruppe (mit Begründung)
  • gemeinsamer Klassensatz

Vorbereitung

  • Materialien M1, M2, M3, M4 kopieren oder digital bereitstellen
  • Tafel- oder Folienimpuls mit Leitfrage vorbereiten
  • ggf. Gruppen- oder Partnerbildung vorstrukturieren

Stundenbogen

  1. 1Einstieg
  2. 2Erarbeitung I
  3. 3Vertiefung
  4. 4Sicherung
  5. 5Sicherung: Handlungsformel

Didaktische Hinweise

Das bedenkt die Lehrkraft zuerst

Didaktische Intention

Die Stunde soll zu einem begründeten Urteil führen: Nicht jedes verfremdete Bild ist gleich problematisch – aber jede Form von Täuschung braucht eine Würdegrenze. Im Hamburger RUfa gelingt das besonders gut, wenn Lernende mehrere religiöse Schutzlogiken vergleichen, eine Perspektive genauer lesen und die Erkenntnisse dialogisch auf den Alltag übertragen.

Bitte beachten!

Alle Beispiele bleiben anonymisiert und distanziert, damit kein Sensationsdruck entsteht und niemand überfordert oder überwältigt wird.

Kompetenzerwartungen

erklären, was ein Deepfake ist, und dessen Wirkungen beschreiben.
drei religiöse Schutzgedanken zu Täuschung, Würde und Wahrhaftigkeit vergleichen.
eine religiöse Quelle genauer lesen und den Gedankenweg in eigenen Worten entfalten.
einen Fall zwischen Satire, Manipulation und Entwürdigung begründet einordnen.
einen eigenen Handlungssatz formulieren, wie Würde im digitalen Raum geschützt werden kann.

Lehrkraft-Spickzettel

  • Einstieg: „Noch witzig?“ (8 Min.) · M1 Lehrkraft: Begriff Deepfake einführen und die Einordnung moderieren.
  • Drei Schutzgedanken vergleichen (12 Min.) · M2 Lehrkraft: Vergleichsauftrag einheitlich geben, Karten bereitstellen.
  • Eine Stimme genauer lesen (10 Min.) · M3 Lehrkraft: Markierhilfe und Leitfragen geben.
  • Grenzfälle prüfen und urteilen (10 Min.) · M4 Lehrkraft: Austausch moderieren, auf Begründung achten.
  • Sicherung: Handlungsformel (5 Min.) Lehrkraft: Satz an der Tafel festhalten.

Differenzierung: Unterstützung

  • Satzanfänge, Farbcodes auf der Skala, kürzere Quellentexte, vorstrukturierte Tabelle.

Differenzierung: Erweiterung

  • näher am Originaltext arbeiten; zusätzliche Frage: Darf Satire ohne reale Person legitim sein? Begründung mit mehreren Kriterien.

Unterrichtsverlauf

Tabellarischer Ablauf

Phase Zeit Verlauf / Lehrkraft Sozialform Material
Einstieg 8 Min. Die Lerngruppe betrachtet eine anonymisierte Deepfake-Vignette aus dem klicksafe-Material und ordnet spontan ein: „Noch witzig? Schon unfair? Oder klar verletzend?“ Lehrkraft: Begriff Deepfake einführen und die Einordnung moderieren. Ergebnis: erste Positionen auf einer Skala (Heft/Folie) Einzelarbeit, anschließend Plenum M1
Erarbeitung I 12 Min. Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen Quellkarten (Judentum, Islam, Christentum) und klären jeweils: Was schützt hier – gegen Täuschung/Spott, gegen Herabwürdigung, für Wahrheit? Lehrkraft: Vergleichsauftrag einheitlich geben, Karten bereitstellen. Ergebnis: ausgefülle Vergleichstabelle (pro Perspektive je ein Satz „Was stört hier?“) Partnerarbeit M2
Vertiefung 10 Min. Eine der drei Perspektiven wird vertieft. Die Lernenden markieren tragende Begriffe und formulieren in eigenen Worten, was die Tradition am digitalen Verfälschen kritisiert. Lehrkraft: Markierhilfe und Leitfragen geben. Ergebnis: kurzer Deutungssatz (Kartenstreifen) Einzelarbeit M3
Sicherung 10 Min. Weitere anonymisierte Fallvignetten werden entlang derselben Skala eingeordnet. Jede Gruppe begründet ihre Entscheidung mit einem passenden Schutzkriterium aus den Quellen. Lehrkraft: Austausch moderieren, auf Begründung achten. Ergebnis: ausgefülle Urteilskarte pro Gruppe (mit Begründung) Gruppenarbeit M4
Sicherung: Handlungsformel 5 Min. Die Klasse einigt sich auf einen gemeinsamen Satz für den digitalen Alltag. Lehrkraft: Satz an der Tafel festhalten. Ergebnis: gemeinsamer Klassensatz Plenum

Materialien

Handouts und Arbeitsblätter

Material M1

Fallvignette + Skala (Einstieg)

Klasse 8 – Hamburger RUfa – Deepfakes
Auftrag: Betrachte die folgende anonymisierte Situation. Entscheide spontan: Noch witzig? Schon unfair? Oder klar verletzend?

Fall 1
Ein Mitschüler aus deiner Parallelklasse wird in einem Video gezeigt, wie er angeblich in der Schulkantine tanzt und dabei sehr ungeschickt aussieht. Das Video sieht täuschend echt aus, ist aber mit einer App erstellt. Es wird in der Klassengruppe geteilt und viele lachen darüber. Der Mitschüler findet es nicht lustig.

Skala – kreuze an (oder markiere auf dem Blatt):
- [ ] Noch total witzig
- [ ] Ein bisschen unfair
- [ ] Schon verletzend
- [ ] Klare digitale Gewalt / entwürdigend

Kurze Begründung (1 Satz):
Ich finde es __________________________, weil ___________________________.

Tipp: Deepfake = ein Video oder Bild, das mit Künstlicher Intelligenz so verändert oder neu erstellt wird, dass es täuschend echt wirkt, obwohl es nicht echt ist.

Material M2

Quellkarten – Drei Schutzgedanken vergleichen

Methode: Vergleichsmatrix

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8 – Hamburger RUfa – Deepfakes
Auftrag: Lies die drei Quellen. Fülle die Tabelle aus. Schreibe für jede Perspektive einen Satz: „Was stört hier an Täuschung oder Herabwürdigung?“

Quellkarte 1 – Islam
Sure 49:11
„O die ihr glaubt, die einen sollen nicht über die anderen spotten, vielleicht sind eben diese besser als sie. Auch sollen nicht Frauen über andere Frauen (spotten), vielleicht sind eben diese besser als sie. Und beleidigt euch nicht gegenseitig durch Gesten und bewerft euch nicht gegenseitig mit (hässlichen) Beinamen. Wie schlimm ist die Bezeichnung Frevel nach (der Bezeichnung) Glaube! Und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten.“

Quellkarte 2 – Christentum
Epheser 4,25
„Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten; denn wir sind untereinander Glieder.“

Quellkarte 3 – Judentum
Die Vorstellung, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist (Genesis 1,27), bedeutet: Jede Herabwürdigung oder gezielte Täuschung eines Menschen verletzt dessen unverlierbare Würde.

Vergleichstabelle

PerspektiveWas schützt diese Tradition? (1 Satz)
IslamDiese Tradition schützt die Ehre der Menschen und verbietet Spott und beleidigende Beinamen, weil niemand erniedrigt werden soll.
Christentum
Judentum

Beispielzeile (Islam):
Diese Tradition schützt die Ehre der Menschen und verbietet Spott und beleidigende Beinamen, weil niemand erniedrigt werden soll.

Material M3

Vertiefte Quellkarte – Sure 49:11

Methode: Markieren von Textstellen (Farbcodiertes Lesen/Analysieren)

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8 – Hamburger RUfa – Deepfakes
Auftrag: Lies den Text genau. Markiere mit zwei Farben:
- Gelb: Wörter, die mit Spott, Beleidigung oder Herabsetzung zu tun haben
- Blau: Wörter, die mit Würde, Gemeinschaft oder Gerechtigkeit zu tun haben

Text:
„O die ihr glaubt, die einen sollen nicht über die anderen spotten, vielleicht sind eben diese besser als sie. Auch sollen nicht Frauen über andere Frauen (spotten), vielleicht sind eben diese besser als sie. Und beleidigt euch nicht gegenseitig durch Gesten und bewerft euch nicht gegenseitig mit (hässlichen) Beinamen. Wie schlimm ist die Bezeichnung Frevel nach (der Bezeichnung) Glaube! Und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten.“

Leitfragen (in eigenen Worten antworten):
1. Welche Haltung gegenüber anderen Menschen wird hier kritisiert?
2. Warum ist Spott und Herabwürdigung nach diesem Text so schlimm?
3. Was könnte dieser Vers gegen Deepfakes sagen, die jemanden lächerlich machen?

Deutungssatz (fertig schreiben):
Dieser islamische Text kritisiert __________________________, weil ___________________________.

Material M4

Weitere Fallvignetten + Urteilsbogen

Methode: Urteilsbildung / Gruppenarbeit mit Fallvignetten (Deepfake-Ethik)

Methodenbeispiel
Beispielillustration zur Methode

Klasse 8 – Hamburger RUfa – Deepfakes
Auftrag: Bearbeitet in der Gruppe einen der folgenden anonymisierten Fälle. Ordnet ihn auf der Skala ein und begründet mit einem Gedanken aus den Quellen.

Fall 2
Ein bekanntes Influencer-Paar veröffentlicht ein Deepfake-Video, in dem ein Politiker scheinbar etwas total Absurdes sagt. Das Video soll Satire sein und wird als „Kunst“ gekennzeichnet. Viele teilen es trotzdem als echte Aussage.

Fall 3
Jemand erstellt ein Deepfake-Foto einer Mitschülerin, auf dem sie in einer peinlichen Pose zu sehen ist. Das Bild wird nur in einer kleinen Chatgruppe geteilt „zum Spaß“. Die Mitschülerin weiß nichts davon.

Skala
- Noch witzig / Satire
- Schon unfair / manipulativ
- Klar verletzend / entwürdigend

Urteilsbogen (pro Gruppe ausfüllen)
- Gewählter Fall: Nr. __
- Unsere Einordnung: ________________________________________
- Begründung mit Quelle (z. B. Sure 49:11, Epheser 4,25 oder Ebenbildlichkeit):
____________________________________________________________________
- Unser Satz, warum das die Würde verletzt oder nicht:
____________________________________________________________________

Zusatzauftrag (Erweiterung):
Welches Kriterium ist euch am wichtigsten: Einwilligung, Wahrheit oder Schutz vor Spott? Begründet mit einem Satz.