Tagesziel
Wir können heute an einem Streitfall und an religiösen Deutungen zeigen, woran man faires Stellungbeziehen erkennt, und dazu selbst einen begründeten Satz formulieren.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie können wir sagen, was wir richtig finden, ohne andere kleinzumachen?
Wir können heute an einem Streitfall und an religiösen Deutungen zeigen, woran man faires Stellungbeziehen erkennt, und dazu selbst einen begründeten Satz formulieren.
Didaktische Hinweise
Ich möchte hier nicht, dass Kinder „die richtige Religion“ finden. Sie sollen merken, dass religiöse Stimmen Orientierung geben können, aber geprüft werden müssen: Trägt ein Standpunkt auch dann noch, wenn andere nicht abgewertet werden? Genau da wird Demokratiebildung im Hamburger RUfa konkret.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | Material |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 8 Min. | Aktivität: Die Kinder hören einen kurzen Fall: „In der Pause wird ein Kind ausgeschlossen. Ein anderes Kind sagt: Das ist unfair, ich sage jetzt etwas. Jemand aus der Gruppe antwortet: Aber dann greifst du uns an.“ Lehrkraft: Sammelt die Antworten an der Tafel und ergänzt bei Bedarf. Ergebnis: ein gemeinsames Tafelbild mit ersten Kriterien wie „helfen“, „nicht beleidigen“, „alle sehen“. | Partnerarbeit | M1 |
| Erarbeitung I | 12 Min. | Aktivität: Die Kinder arbeiten mit kurzen Textausschnitten zu drei religiösen Perspektiven (christlich aus Apostelgeschichte 10,34–35, islamisch aus Sure 49,13 und einer jüdischen Deutung zu Achtung vor jedem Menschen) und notieren in einer einfachen Dreifelderkarte, was jede Perspektive über faires Verhalten sagt und worin sich die Sichtweisen unterscheiden. Lehrkraft: Unterstützt bei der Formulierung von Unterschieden und liest die Texte ggf. vor. Ergebnis: eine Vergleichskarte mit drei Feldern und mindestens einem Unterschied, den die Kinder benennen können. | Einzel- oder Partnerarbeit | M2 |
| Eine christliche Szene genauer anschauen | 10 Min. | Aktivität: Die Kinder hören die Szene aus Apostelgeschichte 10,34–35 in kindgerechter Kürze und überlegen, was Petrus erkennt und wie sich sein Blick auf andere Menschen verändert. Lehrkraft: Erzählt die Szene vor und fragt nach, was sich verändert hat. Ergebnis: ein kurzer Begründungssatz zur Frage, wie sich der Blick auf andere verändert. | Einzelarbeit | M3 |
| Sicherung | 10 Min. | Aktivität: Die Kinder vergleichen in Kleingruppen ihre Vergleichskarte mit dem Satz aus der christlichen Szene und nennen einen Gedanken, der für faires Stellungbeziehen hilfreich ist, und eine Grenze („Das hilft, weil …“ / „Das wird schwierig, wenn …“). Lehrkraft: Sammelt die Gedanken und schreibt sie an die Tafel. Ergebnis: zwei bis drei gesicherte Gesprächssätze an der Tafel. | Kleingruppenarbeit | M2, M3 |
| Kurz und begründet Position beziehen | 5 Min. | Aktivität: Die Kinder schreiben einen einzigen Satz: „Ein Standpunkt ist fair, wenn …, weil …“. Wer schneller ist, ergänzt: „Dabei darf man nicht …“. Lehrkraft: Ermutigt zu klaren Formulierungen. Ergebnis: eine kurze Positionierungskarte für Heft oder Tür. | Einzelarbeit | M4 |
Materialien
M1
M2
M3
M4
Material M1
Methode: Fallarbeit mit Wortbank / Partnergespräch (faires Verhalten)

Klasse 4 | Hamburger RUfa | Kontexte für alle
Auftrag: Lies den Fall und besprecht zu zweit: Was wäre ein faires Verhalten? Welche Wörter passen dazu?
Fall:
In der Pause wird ein Kind ausgeschlossen. Ein anderes Kind sagt: „Das ist unfair, ich sage jetzt etwas.“ Jemand aus der Gruppe antwortet: „Aber dann greifst du uns an.“
Wortbank (Hilfe):
helfen • nicht beleidigen • alle sehen • fair bleiben • zuhören • nicht kleinmachen • mutig sein • Streit klären
Aufgabe:
1. Wähle zwei Wörter aus der Wortbank, die zu einem fairen Verhalten passen.
2. Schreibe einen kurzen Satz: „Fair ist, wenn …“
3. Notiere eine Grenze: „Das wird schwierig, wenn …“
Tipp für Unterstützung: Male neben jedes Wort ein kleines Symbol (z. B. Herz, Waage, Auge).
Material M2
Klasse 4 | Hamburger RUfa | A-Teil
Auftrag: Lies die drei kurzen Aussagen. Trage in die Karte ein, was jede Perspektive zu fairem Verhalten und Achtung vor anderen sagt. Notiere mindestens einen Unterschied. Verwende die Hilfsfragen unten.
Christlich (Apostelgeschichte 10,34–35):
Petrus sagt: Gott sieht alle Menschen gleich an. Wer ihn achtet und tut, was recht ist, ist ihm willkommen – egal aus welchem Volk.
Islamisch (Sure 49,13):
„O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch.“
Jüdische Deutung (als Annäherung):
Jeder Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen. Deshalb verdient jeder Achtung und Gerechtigkeit – auch wenn er anders denkt oder lebt.
| Perspektive | Was sagt sie über faires Verhalten? | Worin unterscheidet sie sich? |
|---|---|---|
| Christlich | ||
| Islamisch | ||
| Jüdisch |
Hilfsfragen zum Unterschied finden (Unterstützung):
- Welche Perspektive spricht mehr von „kennenlernen“?
- Welche spricht mehr von „Gott achten“?
- Welche spricht mehr von „alle sind gleich willkommen“?
Wähle mindestens eine Hilfsfrage und schreibe einen kurzen Unterschiedssatz.
Zusatzauftrag (Erweiterung): Ergänze eine vierte Spalte: „Was könnte jemand ohne Religion wichtig finden?“
Material M3
Klasse 4 | Hamburger RUfa | B-Teil (christlich)
Auftrag: Höre oder lies die kurze Szene. Beantworte die Fragen.
Kurze Szene (kindgerecht):
Petrus war bisher überzeugt: Nur Menschen aus seinem eigenen Volk sind Gott wirklich nah. Dann begegnet er einem römischen Hauptmann, der ein guter Mensch ist. Plötzlich erkennt Petrus: Gott macht keinen Unterschied zwischen den Völkern. Jeder, der gerecht lebt und Gott achtet, ist ihm willkommen. Sein Blick auf „die anderen“ verändert sich.
Fragen:
1. Was erkennt Petrus?
2. Wie verändert sich sein Blick auf andere Menschen?
3. Schreibe einen Satz: „Der Blick auf andere wird fairer, wenn …“
Unterstützung: Du darfst den Satz auch nur mündlich sagen – die Lehrkraft schreibt ihn auf.
Material M4
Methode: Positionierungskarte (Mein fairer Standpunkt)

Klasse 4 | Hamburger RUfa | Urteils- und Positionierungsphase
Auftrag: Schreibe einen einzigen klaren Satz.
Satzstarter (wähle einen oder kombiniere):
- Ein Standpunkt ist fair, wenn …, weil …
- Ein Standpunkt ist fair, wenn … Dabei darf man nicht …
- Fair Stellung beziehen heißt …, weil …
Schreibe deinen Satz gut lesbar auf die Karte. Du kannst sie ins Heft kleben oder an die „Gedanken-Tür“ hängen.
Unterstützung:
Nutze einen der folgenden Satzanfänge und ende mit einem Grund:
- Ein Standpunkt ist fair, wenn ich klar sage, was ich denke, weil …
- Ein Standpunkt ist fair, wenn ich andere nicht kleinmache, weil …
- Ein Standpunkt ist fair, wenn ich zuhöre und selbst etwas sage, weil …
Quellen