Tagesziel
Wir können heute religiöse Zeichen in einem Medienausschnitt genau beschreiben, verschiedene Deutungen mit Belegen prüfen und dazu ein respektvolles, begründetes Urteil formulieren.
relipuls · Lehrer:innenblatt
Didaktisch verdichteter Unterrichtsimpuls mit Materialien
LeitfrageWie können wir religiöse Zeichen im Alltag wahrnehmen und deuten, ohne vorschnell zu urteilen?
Wir können heute religiöse Zeichen in einem Medienausschnitt genau beschreiben, verschiedene Deutungen mit Belegen prüfen und dazu ein respektvolles, begründetes Urteil formulieren.
Didaktische Hinweise
Die Stunde hilft Lernenden, religiöse Sichtbarkeit nicht vorschnell zu etikettieren. Sie lernen, Zeichen sachkundig zu lesen, mehrere Deutungen nebeneinander zu halten und erst dann begründet Position zu beziehen.
Unterrichtsverlauf
| Phase | Zeit | Verlauf / Lehrkraft | Sozialform | Material |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | 8 Min. | Die Lernenden sehen einen kurzen Ausschnitt aus der Dokumentation (oder eine Bildfolge daraus) und notieren auf Kärtchen nur Wahrnehmungen. Lehrkraft: Moderiert die Sammlung an der Tafel und trennt sofort „gesehen“ von „gedacht“. Ergebnis: Sammelwand mit reinen Beobachtungen. | Einzelarbeit dann Plenum | M1 |
| Erarbeitung I | 15 Min. | In Gruppen arbeiten die Lernenden mit einer Matrix zu drei religiösen Perspektiven (Judentum, Islam, Christentum). Sie ordnen Aussagen zu, markieren Deutungshypothesen und tragen je eine Belegstelle ein. Lehrkraft: Gibt die Matrix aus und erinnert an die Belegregel. Ergebnis: Ausgefüllte Vergleichsmatrix. | Gruppenarbeit | M2 |
| Vertiefung | 12 Min. | Die Lerngruppe liest einen ausgewählten Ausschnitt aus dem Material zu einer der drei Perspektiven und beantwortet Leitfragen zur Binnenlogik: Was wird begründet? Was soll sichtbar werden? Welche Missverständnisse werden zurückgewiesen? Lehrkraft: Verteilt gezielt den vorbereiteten Ausschnitt und unterstützt bei der Belegsuche. Ergebnis: Kurzprotokoll mit drei bis vier begründeten Aussagen. | Partnerarbeit | M3 |
| Sicherung | 10 Min. | Mit einem kleinen Kriterienraster prüfen die Lernenden ihre Aussagen: Ist es belegt, nur vermutet, respektvoll formuliert oder zu pauschal? Danach schreiben sie einen Urteilssatz. Lehrkraft: Stellt das Raster vor und moderiert die Abschlussrunde. Ergebnis: Ein Satz nach dem Muster „Ich kann … sagen, weil … / Ich kann … nicht sicher sagen, weil …“. | Einzelarbeit dann Plenum | M4 |
Materialien
M1
M2
M3
M4
Material M1
Was der Glaube trägt - Von Kopftuch, Kippa & Co." style="max-width:100%;border-radius:12px"> – 0:05 bis 1:54
Klasse 7 – Hamburger RUfa – Modul „Sichtbare Zeichen“
Kompetenz: Wahrnehmen und Beschreiben (Orientierung R/G)
Auftrag
Schaut den Ausschnitt der Dokumentation Was der Glaube trägt. Notiert nur, was ihr wirklich seht oder hört. Keine Vermutungen, keine Erklärungen!
Ausschnitt: 0:05 bis 1:54 und 2:08 bis 4:48
(Berlin im Alltag, Sarwan Singh mit Turban, Schwester Hannelore und Schwester Juvenalis mit Ordenskleid)
| Zeit | Was ich sehe / höre (genau beschreiben) | Ich vermute / denke (später ausfüllen) |
|---|---|---|
| Beispiel 0:07 | Kopftuch, Kippa, Turban und Ordenskleid im Berliner Straßenbild | … |
Satzstarter für reine Wahrnehmung
- Ich sehe eine Person mit …
- Im Hintergrund ist …
- Die Kleidung ist … (Farbe, Form)
- Die Person sagt: „…“
Tipp: Alles, was mit „weil“, „damit“ oder „das bedeutet“ anfängt, gehört in die rechte Spalte – erst später!
Material M2
Methode: Vergleichsmatrix

Klasse 7 – Hamburger RUfa – Modul „Sichtbare Zeichen“
Kompetenz: Vergleichen (Dialog D) + Belegen
Auftrag
Arbeitet in der Gruppe. Ordnet die folgenden Aussagen aus der Dokumentation den drei Perspektiven zu. Tragt zu jeder Zeile mindestens eine Belegstelle ein (Zeitangabe aus dem Video). Jede Aussage ohne direkte Stelle muss mit „Vermutung“ gekennzeichnet werden.
| Aspekt | Judentum (Dovid Gernetz) | Islam (Iman Andrea Reimann) | Christentum (Schwester Hannelore) |
|---|---|---|---|
| Wahrnehmung (was man sieht) | Kippa auf dem Kopf | Kopftuch (Hijab) | Ordenskleid mit Schleier |
| Deutungshypothese (was man vermutet) | Schutz oder Tradition | Religiöse Pflicht | Demut und Zugehörigkeit |
| Binnenbezug (warum die Person es trägt) | „Beim Gebet stehen wir vor Gott, deswegen ist es besonders wichtig, repräsentabel gekleidet zu sein.“ (ca. 5:25 bis 5:39) | „Ich trage Kopftuch, weil im Koran steht, dass ich als Muslimin erkennbar sein soll.“ (ca. 7:15 bis 7:20) | „Der Schleier ist sozusagen das Pendant auf Ordensebene.“ (ca. 4:39 bis 4:48) |
| Belegstelle (genaue Stelle oder Zeitangabe) |
Beispielzeile (bereits ausgefüllt)
Wahrnehmung: Kopfbedeckung beim Gebet
Deutungshypothese: Man will Respekt zeigen
Binnenbezug: „Beim Gebet stehen wir vor Gott, deswegen ist es besonders wichtig, repräsentabel gekleidet zu sein.“ (Dovid, ca. 5:25)
Belegstelle: 5:25 (Video)
Belegregel: Jede Aussage ohne direkte Stelle aus dem Video muss mit „Vermutung“ gekennzeichnet werden. Nutzt eure Notizen aus M1.
Material M3
Methode: Binnenperspektive lesen

Klasse 7 – Hamburger RUfa – Modul „Sichtbare Zeichen“
Kompetenz: Erschließen einer Binnenperspektive (B-Teil)
Auftrag (Partnerarbeit)
Lest den ausgewählten Textausschnitt zu einer der drei Perspektiven. Beantwortet die Leitfragen nur mit dem Text in dieser Box. Notiert eure Ergebnisse für M4.
Variante A – Christentum (Schwester Hannelore)
Text: „In den letzten 30 Jahren hat sich die Ordenskleidung stark verändert. Früher war alles viel strenger und einheitlicher. Der Schleier ist sozusagen das Pendant auf Ordensebene. Er zeigt, dass ich mich ganz für Gott entschieden habe und dass ich zu dieser Gemeinschaft gehöre. Manche denken, wir verstecken uns damit, aber das stimmt nicht. Es ist ein Zeichen meiner Freiheit und meiner Liebe zu Gott.“
Variante B – Judentum (Dovid Gernetz)
Text: „Beim Gebet stehen wir vor Gott, deswegen ist es besonders wichtig, repräsentabel gekleidet zu sein. Die Kippa erinnert mich ständig daran, dass Gott über mir ist. Die Torarolle ist so ein wichtiger Gegenstand wie ein Mensch für uns. Manche glauben, das sei nur alte Tradition, aber für mich ist es lebendige Beziehung zu Gott.“
Variante C – Islam (Iman Andrea Reimann)
Text: „Ich trage Kopftuch, weil im Koran steht, dass ich als Muslimin erkennbar sein soll. Es geht um Bescheidenheit und darum, dass ich mich nicht über mein Aussehen definiere. Viele denken, ich werde dazu gezwungen, aber das ist mein freier Entschluss. Das Kopftuch macht mich sichtbar als gläubige Frau.“
Leitfragen
1. Was ist der Person wichtig, wenn sie das Zeichen trägt?
2. Welche Begründung gibt sie (Glaube, Geschichte, Alltag)?
3. Gegen welches Missverständnis grenzt sie sich ab?
4. Ein Satz, den ich gut verstehe: „…“
Satzstarter
- Die Person trägt das Zeichen, weil …
- Für sie bedeutet Sichtbarkeit …
- Sie weist zurück, dass …
Material M4
Methode: Urteilssatz bilden / Prüfraster anwenden

Klasse 7 – Hamburger RUfa – Modul „Sichtbare Zeichen“
Kompetenz: Urteilen (U) + Orientierung V
Auftrag
Nehmt eure Ergebnisse aus M2 und M3. Prüft eure Aussagen mit dem Raster. Schreibt dann einen klaren Urteilssatz. Nutzt dabei mindestens eine Aussage aus Schritt 3.
Prüfraster (ankreuzen)
Satzgerüst (wähle eines)
Beispiel
„Ich kann sagen, dass viele Menschen ihr Zeichen aus Respekt vor Gott tragen, weil Schwester Hannelore das in M3 erklärt. Ich kann nicht sicher sagen, ob alle das gleich empfinden.“
Abschlussfrage fürs Plenum: Welche Aussage aus eurer Gruppe war am schwersten zu belegen? Warum?
Quellen